obsession two

Ich hatte, sobald ich lesen konnte, und das war (wie man so schön sagt) früh für mein Alter, einen Bücherei-Ausweis. Darauf war ich sehr stolz! Es war eine Papphülle und darin befanden sich 6 Papp-Kärtchen, auf denen mein Name stand und für jedes Kärtchen bekam ich ein Buch.
Mit eben diesem Ausweis habe ich die Nerven der Bücherei-Angestellten – leider habe ich ihren Namen vergessen – sehr strapaziert, denn ich wollte immer mehr Bücher mit nach Hause nehmen, als erlaubt war. Jedesmal, wenn ich meine mit Sorgfalt zusammen gesuchte Sammlung auf ihren Tisch legte, kam der gleiche, anfangs strafende, später resignierte Blick und die Aufforderung, nur 6 Bücher auszuwählen.
6 Bücher?
Das war ein Witz! Den wir allerdings beide nicht lustig fanden.

Irgendwann später wurde dieses Limit aufgehoben, aber da war es für mich schon zu spät, denn ich hatte schon angefangen, mein Taschengeld in Buchhandlungen zu tragen und festgestellt, dass nicht nur das Lesen an sich, sondern auch und erst recht der Besitz eines Buches mich glücklich macht. Aber zu dieser Zeit lieh ich Bücher noch aus. Es kam einer Katastrophe gleich, von mir zu verlangen aus diesen 10-20 Bücher, die nun auf der Theke lagen, 6 Stück auszusuchen. Ich konnte nicht verstehen, warum Fräulein Wie-auch-immer so etwas Grausames von mir verlangte. Sie musste doch gesehen haben, wieviel Zeit und Mühe ich damit verbracht hatte, eben diese Exemplare zu finden. Da sie aber unerbittlich darauf bestand, dauerte es nun nochmal so lange, mich für die Richtigen zu entscheiden.
Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich sehr, sehr viel Zeit in dieser Leihbücherei verbracht habe.

Meine Eltern haben diese Sucht von Anfang an unterstützt und gefördert. Dafür bin ich Ihnen von Herzen dankbar, denn sie haben den Grundstein gelegt für eine tiefe Liebe, die mich ganz sicher bis ins Grab begleiten wird:

Die Liebe zum geschriebenen Wort.

Lesen ist für mich fast so essenziell wie Essen und Trinken, wobei ich das erstere durchaus vergessen kann. Ich lese fast alles, was ich in die Finger bekomme, logisch, das sagt der Begriff Sucht ja schon aus. Das kann aus Verzweiflung auch schon mal die Gebrauchsanleitung des DVD-Players oder eine einschlägige Frauenzeitschrift sein (ich frage mich gerade, wer diese beknackte Bezeichnung “Frauenzeitschrift” eigentlich erfunden hat).
Ok, auch ich habe Grenzen!!! Gewisse tägliche Ergüsse eines großen deutschen Verlages, die irrtümlich den Namen “Zeitung” tragen, weigere ich mich standhaft zu lesen.
Aber zurück zu den Büchern.

Natürlich kamen in der Schule auch die sogenannten ernsten Autoren an die Reihe, was vom Kultusministerium eben so als wichtig für unsere Bildung empfunden wurde.
(Kleiner Abstecher: Gerade habe ich aus Neugier in die aktuellen Lehrpläne reingeschaut. Erstaunlich! Heutzutage bringt man Kindern Dinge bei wie SprachKOMPETENZ, SchreibKOMPETENZ und LeseKOMPETENZ. Wow!)
Da ich in einer KGS mit angeschlossenem N- und MNG war
(nicht verstanden? dachte ich mir …
KGS = kooperativen Gesamtschule
N- und MNG = neusprachliches, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium),
lag der Schwerpunkt neben den Klassikern, vor allem auf den “zeitgenössischen”, deutschen Autoren. Borchert, Brecht, Dürrenmatt, Frisch, Hauptmann, Grass und wie so noch alle so heißen, in den kleinen, gelben Reclam-Büchlein.
Viele von ihnen habe ich gerne und mit großem Interesse gelesen, aber hey, ich war ein Teenie! Ich habe Science Fiction ebenso verschlungen wie Liebesromane, Krimis und epische Familiendramen. Dazu gehörten Hemingway und Dostojewski genauso wie Asimov, und Simmel. Besonders beeindruckt und beeinflusst haben mich als Teenager ganz sicher Tolstoi, Tolkien und King, ich weiss nicht, wie oft ich diese Bücher gelesen habe.

Dann kamen die ersten Vampire … und es war um mich geschehen.
Ich bin diesem Thema verfallen, warum auch immer.
Von Bram Stoker über Anne Rice bis Markus Heitz, ich kann nicht aufhören damit – was man ganz klar auch an meinen eigenen Geschichten merkt ;-)

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